Eine Reise nach Kuba

TG 
-Foto: Michael August, Kiel

Torsten Gerhardt - Reiseleiter

 

Kuba ist Karibik pur, eine sanfte Brise streicht über das Land und vertreibt die Hitze. Der Strand verliert sich am Horizont, das Meer lädt, nein fordert zum Baden auf. Kuba ist Musik, ist mitreißender Rhythmus. Wer möchte da nicht mittanzen! Oder wenigstens zuschauen und dabei einen Cocktail schlürfen. Aber Kuba bietet noch so viel mehr an Landschaften, an Geschichte, an Menschen. Da ist es wunderbar, in einer Gruppe zu reisen, an die Hand genommen zu werden und die Geheimnisse und Schönheiten des Landes gezeigt zu bekommen.

Was bleibt in Erinnerung? Da sind die Hauptstadt Havanna mit dem morbiden Charme der bröckelnden Kolonialarchitektur, die liebevoll instand gehaltenen amerikanischen Oldtimer, mit denen man sich ganz herrschaftlich durch die Straßen chauffieren lassen kann, der Blick von der Festung, weit über die Bucht und auf die Silhouette der gegenüber liegenden Stadt. Da sind die Bars, in denen schon Berühmtheiten ihre Cocktails getrunken haben. Cocktails, die solch verführerische Namen wie Mojito, Cuba Libre, Daiquiri oder Caipirinha tragen.

Aber Havanna ist nicht die einzige Stadt mit Flair, da ist auch im Süden Trinidad mit seinen restaurierten Häusern und Gassen. Dort kann man in den Zauber der Kolonialzeit eintauchen, mit der Pracht seiner Farben und Formen. Trotz der Hitze herrscht auf den Straßen geschäftiges Treiben, hinter den weit geöffneten Fenstern setzt sich dieses Treiben fort, und ist immer einen Blick wert.

Das Land ist jedoch nicht minder reizvoll, die Plantagen mit dem Zuckerrohr und die mit den Tabakpflanzen. In Kuba gibt es den Spruch: „Den Tabak kann man nicht einfach pflanzen, man muss ihn heiraten“. Beim Besuch eines Tabakbauern kann die Gruppe diese innige Bindung erleben, wenn sie ihn beim Rollen von Zigarren beobachten kann. Zigarren, auch das ist Kuba, der Duft der Blätter, der Geruch des Rauches, das langsame Inhalieren, dazu einen Drink und einen lauen Abend, was will man mehr!

Dies wusste auch schon „Papa“ Hemingway zu schätzen, nicht umsonst lebte er die längste Zeit seines Lebens, von 1939 bis 1961, auf seiner Finca Vigia nahe Havanna. Hier entstand sein berühmtester Roman „Der alte Mann und das Meer“, für den er den Literaturnobelpreis erhielt. Im Haus ist alles so geblieben, wie Hemingway es verlassen hat, so dass es fast bewohnt wirkt. Deshalb dürfen die möblierten Räume nicht betreten, sondern nur durch die offenen Fenster besichtigt werden. Ein verzauberter Tagesausflug, der auch zum Ort Cojmar führt, von dem aus der Dichter seine wilden Angeltouren startete. Nach seinem Tod errichteten ihm die Fischer Cojimars ein Denkmal, wofür sie mangels Geld ihre Anker und Ketten hergaben. Die schmolzen sie ein und gossen daraus eine Büste, die im Zentrum des Ortes steht.

Auch Fidel Castro war ein großer Bewunderer Hemingways, und ist Hemingway schon präsent, so ist es natürlich der alte Revolutionsführer erst recht, er und seine Revolution. Alles das ist zu besichtigen, etwa in der legendären Schweinebucht, in der die Amerikaner eine schmähliche Niederlage erleben mussten oder in dem doch recht monströsen Grab- und Denkmal für Che Guevara. Das Land wandelt sich schnell, und doch ist noch der Stolz auf die Vergangenheit und die Unabhängigkeit zu spüren.

Wie lange nur ist dieser brüchige Charme noch zu erleben? Man weiß es nicht, deshalb noch schnell hinfahren. Und nach den vielen Erlebnisse auf solch einer Gruppenreise?Entspannen im warmen Wasser der Karibik und die letzten warmen Sonnenstrahlen des Abends auf der Haut spüren, und immer daran denken, was der heilige Augustinus schon vor über 1.600 Jahren wusste: „Die Welt ist ein Buch. Wer nie reist, sieht nur eine Seite davon“.

Torsten Gerhardt